1Der Regen fiel in dünnen, geraden Streifen und klopfte wie hundert winzige Finger auf das Pflaster. Theo trat von der Veranda von Haus Nummer vier, sein kleiner roter Regenschirm öffnete sich über seinem Kopf. Er war gerade breit genug, um seine Schultern trocken zu halten – aber nicht einen Zentimeter mehr.
2An der Ecke stand Frau Papadopoulos und drückte eine Zeitung fest auf ihr Haar. Ihre Einkaufstüten waren schwer und dunkel vom Regen. Theo schob sich näher heran und neigte seinen Schirm, sodass der trockene Rand über ihren silbernen Locken hing. Sie lachte auf – ein kurzer, überraschter Laut – und steckte die Zeitung unter den Arm.
3"Halten Sie das mal kurz, ja?" bat sie und reichte ihm zwei Tüten, während sie nach ihren Schlüsseln in der Manteltasche suchte. Theo hielt sie fest. Sein Ärmel wurde nass. Das störte ihn nicht.
4Etwas weiter, dort wo die Eiche mitten durch den Gehweg wuchs, stand ein Junge namens Darius auf einer Seite einer breiten, glitzernden Pfütze. Sie reichte von Bordstein zu Bordstein und war dunkel und tief. Theo ging vorsichtig darum herum und zog eine Tüte mit sich. "Geh nicht gerade rüber!" rief Theo zurück zu Darius. "Geh beim Laternenpfahl lang – da ist die Stelle flach."
5Darius hüpfte am Rand entlang und landete sicher auf dem trockenen Stück Pflaster. Er grinste, schüttelte den Regen von seiner Kapuze und lief weiter.
6Frau Papadopoulos hatte ihre Tür bei Nummer elf erreicht. Sie nahm ihre Tüten zurück und drückte Theo dann eine kleine Papiertüte in die Hand – warm, nach Zimt duftend. "Fürs Mitgehen", sagte sie.
7Theo steckte die Tüte unter seine Jacke und lief weiter. Am roten Briefkasten hielt Darius die Tür des Blumenladens für eine Frau mit Kinderwagen offen. Er begegnete Theos Blick und hob kurz die Hand – so, wie Menschen es tun, wenn sie sagen wollen: Ich habe gesehen, was du da gemacht hast.
8Der Regen wurde zu feinem Niesel.
9Theo klappte seinen Regenschirm vor seinem eigenen Gartentor zusammen und schüttelte ihn, sodass die Tropfen in einem leuchtenden Bogen über die Hecke flogen. Seine Schuhe waren feucht. Am Knie seiner Hose klebte ein Spritzer Matsch. Die Zimttüte fühlte sich noch immer warm an seiner Seite an.
10Die Straße hinunter öffnete jemand einen leuchtend gelben Regenschirm und schon gingen zwei Menschen darunter.



